Was ist Peer Review in QIBB?

PEER REVIEW

Peer Review in QIBB ist ein freiwilliges externes Evaluationsverfahren für berufsbildende Schulen in Österreich, das die Qualitätssicherung und -entwicklung am Schulstandort unterstützen soll. Vier externe Experten/innen (Peers) führen im Rahmen eines zweitägigen Schulbesuchs die Evaluation auf Basis eines zuvor von der Schule verfassten Selbstberichts durch.
Peer Review in QIBB bedeutet, dass die externe Evaluation „auf gleicher Augenhöhe“ durchgeführt wird, das heißt, dass die Peers aus einem ähnlichen Umfeld wie die für die Qualität am Schulstandort verantwortlichen Personen (Direktoren/innen, Lehrer/innen, Schulqualitätsprozessmanager/innen) kommen. Die Peers sind speziell ausgebildet und haben die Aufgabe, der Schule ein kritisch-wohlwollendes Feedback zu den von ihr zuvor gewählten Themenbereichen und Fragestellungen zu geben.
Als formatives Evaluationsverfahren ist Peer Review in QIBB kein Kontroll-, sondern ein Schulentwicklungsinstrument. Es dient nicht der Rechenschaftslegung nach außen, sondern soll die innerschulische Entwicklung unterstützen.

Woher kommt Peer Review in QIBB?

Als „Peer Review“ im Wissenschafts- bzw. Bildungsbereich bezeichnete man ursprünglich haupt¬sächlich das Verfahren zur Beurteilung von wissenschaftlichen Arbeiten (v.a. Zeitschriftenartikeln), später auch von Hochschulinstitutionen bzw. der von ihnen angebotenen Studienprogramme, durch „Peers“ (engl. für Ebenbürtige; Gleichrangige) – mit dem Ziel der Qualitätssicherung. So wurde im Lauf der Zeit Peer Review als externes Evaluationsinstrument zu einem weltweit eingesetzten Standardverfahren zur Qualitätsüberprüfung von Hochschulen.

Peer Review in der Berufsbildung, insbesondere im Schulbereich, ist ein relativ neues Verfahren. Auf europäischer Ebene gab es von 2004 bis 2009 mehrere einschlägige Leonardo da Vinci-Projekte, deren Ziel es war, Peer Review als eine Methode der externen Evaluation für den Bereich der Berufsbildung zu adaptieren und nutzbar zu machen („Peer Review in Initial VET“, „Peer Review Extended“, „Peer Review Extended II“).
Das europäische Peer Review Verfahren wurde so als freiwilliges, externes Verfahren zur Qualitätsentwicklung in der Berufsbildung unter der Koordination vom Österreichischen Institut für Berufs-bildungsforschung (öibf) entwickelt. Gleichzeitig wurden Pilotstudien zur Erprobung des Verfahrens in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt, an denen sich auch österreichische Schulen beteiligt haben.
Die europäischen Leonardo da Vinci-Projekte zu Peer Review wurden von Beginn an vom damaligen BMBWK, jetzt BMUKK (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur), und zwar konkret von der Sektion II (Berufsbildendes Schulwesen, Erwachsenenbildung und Schulsport) mitinitiiert und unterstützt. Im Zuge dessen wurden Überlegungen zur Integration dieses externen Evaluationsverfahrens im Rahmen der QualitätsInitiative BerufsBildung (QIBB) angestellt. Im Herbst 2009 startete nach umfangreichen Vorbereitungs- und Abstimmungsarbeiten von BMUKK und ARQA-VET (Machbarkeitsstudie, Pilotstudie etc.) der 1. Durchgang von Peer Review in QIBB.
Sie finden eine Übersicht jener Schulen, die entweder ein Peer Review im Rahmen der Leonardo da Vinci-Projekte oder ein Peer Review in QIBB (seit 2009) durchgeführt haben, unter: www.peer-review-in-qibb.at/information/pr_schulen/.

Welche Rolle spielt Peer Review im Rahmen der QualitätsInitiative BerufsBildung (QIBB)?

Peer Review in QIBB ist integrativer Bestandteil der QualitätsInitiative BerufsBildung. Die folgende Grafik zeigt, dass Peer Review im QIBB Qualitätsregelkreis der „Check-Phase“ (evaluieren und auswerten) zuzuordnen ist:

Abb. 1: Der QIBB Qualitätsregelkreis und Peer Review in QIBB

Peer Review ist also ein spezielles Evaluationsinstrument, das der Schule durch die Peers einen Blick von außen auf die Schulqualität ermöglicht.

Peer Review fügt sich in den QIBB Qualitätsregelkreis ein, das bedeutet, dass Instrumente (z.B. Leitbild, Schulprogramm, Schulqualitätsbericht usw.) und Selbstevaluationsergebnisse aus QIBB (z.B. Ergebnisse aus der QIBB Evaluationsplattform bzw. sonstige Evaluationsergebnisse aus eigenen Evaluationen der Schule) in diesem Verfahren näher beleuchtet und aufgearbeitet werden können. Im Rahmen von Peer Review in QIBB können aber auch ganz neue Qualitätsbereiche von der Schule bearbeitet werden, zu denen die Schule gerne Feedback haben möchte. Als Basis für die Auswahl der Qualitätsbereiche und Fragestellungen dienen den Schulen die 14 Europäischen Qualitätsbereiche (siehe: www.peer-review-in-qibb.at/fileadmin/PR/04_Q-Bereiche_V4.pdf).

Die Ergebnisse aus Peer Review sollen wiederum nach der externen Evaluation in den QIBB Qualitätskreislauf einfließen, indem sie z.B. Niederschlag in den Schulprogrammen und Qualitätsberichten finden. Mit welchen Ergebnissen weitergearbeitet und worüber wem bzgl. Peer Review berichtet wird, liegt allerdings ganz in der Hand der Schule.  

Wichtige Grundprinzipien von Peer Review in QIBB

Das Peer Review in QIBB Verfahren verfolgt einige wichtige Grundprinzipien, die für alle am Verfahren beteiligten Gruppen (Schulen, Peers, Peer Review Berater/innen, Peer Review Kontaktstelle, ARQA-VET) von großer Bedeutung sind:

1. Freiwilligkeit: Die Teilnahme an Peer Review in QIBB ist grundsätzlich freiwillig, da Peer Review als schul- und qualitätsentwicklungsorientiertes Modell nicht „verordnet“ werden kann. Interessierte Schulen unterziehen sich einem Bewerbungsverfahren, für das bestimmte Kriterien vorgesehen sind.

2. Vertraulichkeit: Informationen, die im Rahmen von Peer Review in QIBB an weitere am Prozess beteiligte Gruppen (z.B. Peers, Berater/innen, Kontaktstelle) weitergegeben werden, können sensibel sein und zwar insbesondere wenn es sich um Qualitätsbereiche handelt, in denen Schulen sich verbessern wollen. Deshalb gibt es für das Verfahren ein weiteres wichtiges Grundprinzip zu dem sich alle Beteiligten, auch vertraglich, verpflichten: Alle im Rahmen von Peer Review von Schulen an andere beteiligte Personen weitergegebenen Informationen sind absolut vertraulich zu behandeln und nicht an Dritte weiterzugeben.

3. Objektivität und Unparteilichkeit der Peers:
Um ein neutrales und möglichst objektives Feedback geben zu können, müssen die Peers einen gewissen Abstand zu jener Schule haben, die sie im Team evaluieren. Auf mögliche Unvereinbarkeiten (z.B. zu enge Beziehungen von Peers zur Schule, Peer kommt aus konkurrierender Schule usw.) ist von beiden Seiten, also sowohl von Seiten der Schule als auch der Peers Rücksicht zu nehmen. Geschieht dies nicht, so kann das Peer Review Verfahren die intendierte Funktion nicht erfüllen.

4. Prozess- und Ergebnisverantwortung der Schule: Peer Review in QIBB dient in erster Linie den Interessen und Bedürfnissen der beteiligten Schulen. Die Schulen bestimmen zahlreiche Elemente im Verlauf des Verfahrens (Auswahl der Qualitätsbereiche und Fragestellungen, Auswahl der Peers usw.) und sind allein für die weitere Bearbeitung und Umsetzung von Ergebnissen aus dem Peer Review verantwortlich.  

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